Neue Selbsthilfegruppe für junge Erwachsene im Februar

Bei veRRückter Kindheit in der Beratungsstelle in Wien startet im Februar 2019 eine Selbsthilfegruppe für junge Erwachsene (18 - 30 Jahre), deren...

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Erfahrungsbericht aus einer Selbsthilfegruppe

Eisblumen

Einer Gruppenmoderatorin berichtet über ihre Erfahrungen und Eindrücke in einer Erfahrungsaustauschgruppe junger Erwachsener mit einem psychisch erkrankten Elternteil.

Ein Jahr ist es nun her, dass wir das neue Konzept für die Gruppe zum Erfahrungsaustausch von erwachsenen Kindern psychisch erkrankter Eltern(teile) in die Tat umsetzen. Was war neu? Die vergangenen Erfahrungen ließen erahnen, dass der Faktor Stabilität bei dieser Gruppe von Menschen eine erhebliche Rolle spielt. Stabilität vor allem die Personen betreffend, die an diesen Abenden teilhaben. So kam es, dass wir unsere Gruppen nach wenigen Treffen der Orientierung geschlossen führten, was so viel heißt, dass ein Fluss an Prozessen der Auseinandersetzung konnte und nicht durch „reintröpfelnde Neuzugänge“ jeder Gruppenabend einer erneuten Orientierung (wer sind wir? Was brauchen wir? Wohin gehen wir?) bedurfte.

Welchen Einfluss hat meine Vergangenheit auf mich?

Dieser erwähnte Prozessfluss ermöglichte, in einem, wie ich finde, außerordentlich respektvollen und feinfühligen Rahmen vielfältige Themen, die die Teilnehmer beschäftigten, zu beleuchten. Generell stand weniger der erkrankte Elternteil im Vordergrund sondern ganz stark die Gestaltung der eigenen Lebensführung: In wie fern hat das Aufwachsen mit einem erkrankten Papa/einer erkranktem Mama Aspekte der eigenen Persönlichkeit geprägt? Gibt es Ähnlichkeiten zwischen mir und den Eltern? Welche meiner Anteile sind veranlagt, welche „geformt“ durch die Umgebung? Welchen Einfluss hat meine Vergangenheit auf meine Beziehungsgestaltung? Immer wieder im Vordergrund steht die Auseinandersetzung mit Anteilen der eigenen Persönlichkeit, an welchen gearbeitet werden möchte. Der Erfahrungsaustausch bezüglich eigener Psychotherapie findet sehr viel Raum. Durch die Abschluss- bzw. Einstiegsrunden wird sehr greifbar, wie viele Anregungen die einzelnen Teilnehmer für die Gestaltung ihres eigenen Weges mitnehmen und was davon sie vielleicht auch bereits umsetzen konnten.

Das eigene Gefühl weist den Weg

Erstaunlich für mich als Moderatorin waren immer wieder jene Momente, als so deutlich wurde, wie schwierig es aufgrund der jeweiligen Lebenssituation gewesen sein muss, zu entscheiden, ob der eigenen Wahrnehmung, vor allem als junges Kind, zu trauen ist bzw. ob jener Bezugsperson zu vertrauen ist, die grundsätzlich das Maß aller Dinge darstellen sollte. Zu sehen, welche Stärken entwickelt werden, um sich dem, von dem es heißt, es hat so zu sein, schon in so jungen Jahren zu widersetzen, erfüllt durch den Glauben daran, dass das eigene Gefühl den richtigen Weg anzeigt, ungeachtet der Konsequenzen diesen auch zu verfolgen, hat mich immer wieder mit größtem Respekt den einzelnen Söhnen und Töchtern gegenüber erfüllt.

Einen sicheren Rahmen schaffen

Ich als Moderatorin bin sehr glücklich darüber, einen sicheren Rahmen schaffen zu können, wo es für die einzelnen Gruppenteilnehmer immer wieder möglich wird, sich zu öffnen, eigene Erfahrungen weiterzugeben, andere Erfahrungen aufzunehmen und gestärkt ein Stück weiter auf IHREM Weg zu gehen!

Mag. Nina Harbich
Psychologin und Beraterin in der Beratungsstelle der HPE in Wien
Gruppenmoderatorin


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